Schritt 2: Bestimmung der interessierten Akteure und die Rolle der Evaluierenden

Im zweiten Schritt des Evaluationsprozesses werden die Akteure bestimmt, die Interessen in Bezug auf den Evaluationsgegenstand und/oder an der Evaluation selbst haben. Darüber hinaus ist die Rolle der Evaluierenden zu klären.

Apfel mit verschiedenen Personen

Akteure, die Interessen in Bezug auf den Evaluationsgegenstand haben, werden «Beteiligte und Betroffene» oder auch «Stakeholderinnen und Stakeholder» genannt. «Beteiligte» sind Personen, Gruppen oder auch Organisationen, die in Bezug auf den Evaluationsgegenstand aktiv und/oder einflussreich sind, also z. B. Geldgebenden des Evaluationsgegenstandes wie auch Akteure, die ihn verantwortlich steuern oder die im Rahmen des Evaluationsgegenstandes tätig sind, wie z. B. Mitarbeitende. «Betroffene» sind insbesondere Personen mit wenig Einfluss. Sie finden sich oft unter den Zielgruppen, oder es sind vom Evaluationsgegenstand Ausgeschlossene oder durch ihn Benachteiligte, mitunter ohne von dessen Existenz zu wissen. Akteure, die Informationsinteressen in Bezug auf die Evaluation hegen, sind «potenziell Nutzende» der Evaluation und ihrer Ergebnisse. Diejenigen, welche die Evaluierenden gemäss Evaluationsplan mit Informationen bedienen wollen, sind «Adressierte» oder «vorgesehene Nutzende».

Oft ist es zweckmässig, die Beteiligten und Betroffenen in den Evaluationsprozess einzubinden. Das ist der Grundgedanke nutzungsfokussierter und auch partizipativer Evaluationsansätze. Ein zentrales Argument dafür besteht darin, dass man sich von deren Partizipation einen reibungslosen Ablauf, eine fundierte thematische Absicherung, hilfreiche Tipps für die konkrete Durchführung sowie eine gute Unterstützung bei der Nutzung der Ergebnisse der Evaluation erhofft. Ob überhaupt, in welchem Umfang und in welchen Schritten der konkreten Evaluation der Einbezug von Beteiligten und Betroffenen sinnvoll ist, ist von Fall zu Fall zu entscheiden.

Evaluationen müssen von Personen durchgeführt werden, die für diese Aufgabe spezifisch qualifiziert sind: den professionellen Evaluierenden. Evaluierende können eine interne oder externe Position einnehmen (interne bzw. externe Evaluation). Interne Evaluation wird von Personen der den Evaluationsgegenstand tragenden Organisation gesteuert und durchgeführt. Bei der Inhouse-Evaluation (als Unterform der internen Evaluation) wird die Evaluation ebenfalls von Personen der den Evaluationsgegenstand tragenden Organisation durchgeführt; diese sind aber nicht hauptverantwortlich für den Evaluationsgegenstand (z. B. eine spezialisierte Evaluationsabteilung). Wenn die Hauptverantwortung für den Evaluationsgegenstand und für die Evaluation in einer Hand liegt, spricht man auch von Selbstevaluation. Externe Evaluationen führen hingegen Evaluierende durch, die von ausserhalb der Organisation kommen.

 

Wenn nun bestimmt werden soll, wie »gut« diese besondere Sorte von Äpfeln ist, dann muss man sich zuerst vergegenwärtigen, welche Gruppen von Akteuren mit welchen Interessen auf die Äpfel blicken. Je nachdem wie der Evaluationsgegenstand genau definiert wird, haben sie etwas zu gewinnen oder zu verlieren. Beispiele in diesem Fall sind die Produzierenden, die Weiterverarbeitenden, der Handel (Grosshandel, Einzelhandel, Direktvertrieb beim Apfelbauer), womöglich die Baumschulen, diejenigen die professionell die Umweltverträglichkeit und die Produktqualität der Äpfel untersuchen (zum Beispiel Fachleute aus dem Verbraucherschutz) und natürlich die Endverbraucherinnen und Endverbraucher, welche die Äpfel oder die weiter verarbeiteten Produkte konsumieren. Für die Planung der Evaluation ist es notwendig, die Ziele und Informationsinteressen dieser Akteurinnen und Akteure zu kennen, da diese den weiteren Fortgang der Evaluation mitbestimmen werden. Diese können sehr unterschiedlich gelagert sein.

So kann der Handel auf sichere und kontinuierlich zur Verfügung stehende Ernten angewiesen sein; die Baumschulen benötigen hochwertiges Saatgut; Weiterverarbeitende brauchen Äpfel bestimmter Qualität für die Erzeugung von Apfelsaft oder Apfelkuchen; der Handel, die Produzierenden und auch die Konsumierenden sind an Äpfeln mit bestimmten Merkmalen (kräftiger Geschmack, schöne Farben, gutes Aussehen) und an Einnahmen durch den Apfelverkauf und guten Preisen interessiert, wobei die Meinungen zu den verschiedenen Aspekten jeweils stark auseinandergehen können. Oft wird eine externe Person als Evaluierende beigezogen, damit sie den Evaluationsprozess planen und die Evaluation anschliessend durchführen kann.