Monitoringresultate

Das Trendmonitoring des Schweizerischen Observatoriums für die Berufsbildung OBS EHB zeigt Zusammenhänge zwischen aktuellen Berufsbildungsmegatrends und wichtigen Elementen des Berufsbildungssystems auf. Der stärkste Megatrend der Monitoringperiode 2018-2020 ist Upskilling (Höherqualifizierung), d.h. eine steigende Beteiligung der Bevölkerung an kontinuierlicher und höherer Bildung. Die Resultate basieren auf über 1300 Publikationen aus der Wissenschaft, Forschung und Praxis.

Upskilling (Höherqualifizierung) ist das meist genannte Trendthema in der Monitoringperiode 2018-2020 (vgl. Grafik unten). Der Vergleich der drei Jahre zeigt, dass die genannten Megatrends relativ beständig sind.

Upskilling ist in zwei Subtrends zu unterteilen. An erster Stelle wird es unter pädagogischen Gesichtspunkten diskutiert (2019: in 26% der Quellen; 2020: 29%) wie das lebenslange und eigenständige Lernen. An zweiter Stelle wird es in Bezug auf strukturelle Bedingungen des Bildungssystems und Arbeitsmarkts genannt (2019: 13%; 2020: 11%), wie Arbeitsmarktchancen oder Zugänge zur höheren Bildung. An dritter und vierter Stelle folgen Themen rund um den Megatrend Digitalisierung (2019: 16%; 2020: 14%), und zu wirtschaftlichen Trends im Arbeits- und Fachkräftemarkt (2019: 15 %; 2020: 21%) wie die Erwerbsentwicklung. Den fünften und sechsten Platz nehmen bildungspolitische Entwicklungen zum Stellenwert (dem «Image») der Berufsbildung (2019: 11%; 2020: 9%) sowie Entwicklungen bei der Migration (2019: 6%; 2020: 4%) ein. Weitere - gegenwärtig weniger prominente - Trends decken ein breites Themenspektrum zum Wandel ab, zum Beispiel in den Bereichen Gesundheit und Soziales, Ökologie, Urbanisierung oder Internationalisierung. Näheres zu den Themenschwerpunkten der einzelnen Megatrends erfahren Sie in den folgenden separaten Kapiteln.

Megatrends MT

Megatrends und Herausforderungen der Berufsbildung

Um Zusammenhänge zwischen Megatrends und Herausforderungen für die Berufsbildung zu erkennen, werden die Quellen des Monitoring in einer Textanalyse codiert und quantitativ sowie qualitativ ausgewertet (siehe Monitoringprozess und Rahmenmodell). Die Grafik zeigt diese kombinierten qualitativ-quantitativen Auswertungen. Sie stellt dar, welche Megatrends im Zusammenhang mit welchen wichtigen Grundpfeilern der Berufsbildung - im Folgendem «Outcomes» genannt - in den Quellen thematisiert werden, und wie häufig dies geschieht. Auf Basis dieser Resultate lässt sich schlussfolgern, wo die Berufsbildung besonders herausgefordert sein dürfte.

Megatrends und Outcomes der Berufsbildung

«Outcomes» sind kurz- und mittelfristige Ziele, die von den Akteuren des Berufsbildungssystems erreicht werden sollen. Das meistdiskutierte Outcome im Trendmonitoring ist die «Arbeitsmarktfähigkeit» der Absolventinnen und Absolventen einer beruflichen Grundbildung. Sie ist das Top-Thema im Zusammenhang mit allen Megatrends (vgl. Abb.). Die weiteren Outcomes werden je nach Megatrend unterschiedlich häufig diskutiert, was bedeutet, dass auch die Herausforderungen für die Berufsbildung je nach Megatrend jeweils anders gelagert sein dürften. Die Abbildung zeigt diese Zusammenhänge auf:

  • Megatrend Upskilling (strukturell): Arbeitsmarktfähigkeit (26%), berufliche Mobilität der Absolvierenden (23%)
  • Megatrend Upskilling (pädagogisch): Arbeitsmarktfähigkeit (28%), Ausbildungserfolg der Absolvierenden (17%)
  • Megatrend Digitalisierung: Arbeitsmarktfähigkeit (28%), Flexibilität/Durchlässigkeit des Berufsbildungssystems (13%)
  • Megatrend Migration: Arbeitsmarktfähigkeit (35%), Integrationsfähigkeit in die Berufsbildung (25%)
  • Megatrend «Stellenwert der Berufsbildung»: Flexibilität/Durchlässigkeit des Berufsbildungssystems (20%), Arbeitsmarktfähigkeit der Absolvierenden (16%)

Bei Trends im Arbeits- und Fachkräftemarkt – wie Konjunktureinflüsse – sind die Zusammenhänge mit Berufsbildungsoutcomes weniger deutlich zuzuordnen (vgl. Abbildung, graue Balkenteile). Dies ist damit zu erklären, dass sich beispielsweise Konjunkturschwankungen eher indirekt über eine veränderte Qualifikationsnachfrage oder Ausbildungsbereitschaft der Betriebe auf die Berufsbildung auswirken dürften.

Megatrends und Outcomes der Berufsbildung
KOM EHB
Megatrend Upskilling

Upskilling (Höherqualifizierung) ist der im Monitoring am häufigsten aufgetretene Berufsbildungsmegatrend. Der Trend wurde bisher in unseren Quellen inhaltlich unter zwei Hauptaspekten thematisiert: Einerseits waren dies strukturelle Themen wie Arbeitsmarktchancen oder Zugänge zur höheren Bildung, andererseits pädagogische Themen wie kontinuierliches Lernen oder nötige Kompetenzen für lebenslanges Lernen.

Strukturelle Herausforderungen:

  • Die Arbeitsmarktchancen von Personen mit Berufsbildungsabschluss in Konkurrenz zu Absolventinnen und Absolventen von Hochschulen.
  • Die Attraktivität und Bedeutung der höheren Berufsbildung.
  • Die Berufsmaturität als Weg, um sich höher zu qualifizieren.
  • Die Arbeitsmarkt- und Bildungschancen von gering Qualifizierten durch flexible Förder- und Bildungsangebote.
  • Spezifisch in Deutschland: Duales/triales Studium; Studienabbrechende als Zielgruppe für die Berufsbildung; Aufstiegsfortbildungen.

Pädagogische Herausforderungen:

  • Vermitteln von Fähigkeiten für lebenslanges, eigenständiges Lernen.
  • Vermitteln von Fähigkeiten, um berufliche Kompetenzen in veränderten Situationen anzuwenden (transversale Kompetenzen).
  • Vermittelbarkeit überfachlicher Kompetenzen.
  • Rolle der Betriebe bei der Entwicklung von Kompetenzen.
  • Zunehmende Heterogenität bezüglich Sprache, Kultur, Bildungsbiografie und Leistungsniveau als Herausforderung für die Integration in Lernsettings.
  • Validierung von formellen und informellen Kompetenzen, im nationalen wie internationalen Zusammenhang.
Megatrend Digitalisierung

Die schweizerische Berufsbildung hat sich in der Vergangenheit aufgrund gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen schon mehrfach erfolgreich angepasst und modernisiert, wie beispielsweise bei der Einführung der Fachhochschulen oder der Reform der höheren Berufsbildung. Die Digitalisierung stellt eine weitere Herausforderung dar und wirft die Frage auf, wie sich die Berufsbildung die digitale Transformation zunutze machen kann und sich. adaptieren muss. Das Trendmonitoring zeigte vier grosse Themenbereiche von Herausforderungen auf:

  • Rascher Wandel und Verschiebungen von Tätigkeiten zwischen und innerhalb von Berufen, entsprechend sind flexible Curricula erforderlich.
  • Technologischer Wandel führt zu fachlichem Qualifikationsbedarf der Berufsbildungsverantwortlichen aller Lernorte.
  • Technologischer Vorsprung der Lernenden erfordert neue pädagogische Methoden an allen Lernorten.
  • Die Notwendigkeit lebenslangen Lernens erfordert entsprechende Bildungskonzepte.
Entwicklungen im Arbeits- und Fachkräftemarkt

Die Schweizer Berufsbildung steht in enger Verbindung mit dem Arbeitsmarkt, weshalb Veränderungen im Fachkräfte- und Arbeitsmarkt immer Anpassungsleistungen seitens der Berufsbildung erfordern. Das Trendmonitoring zeigt dabei folgende Hauptthemen auf:

  • Zunehmende partizipative Arbeits- und Organisationsformen in den Betrieben.
  • Zunehmende Flexibilisierung der Arbeitsformen und Anstellungsbedingungen.
  • Die Frage nach der Polarisierung des Stellenangebots und einem Rückgang im mittleren Qualifikationsbereich.
Megatrend Stellenwert ("Image") der Berufsbildung

Die gesellschaftliche, nationale und internationale Wertschätzung (das «Image») der Berufsbildung trägt stark zur Attraktivität des berufsbildenden Weges bei. Das Trendmonitoring zeigte punkto Image folgende Herausforderungen auf:

  • Internationales Interesse an der Berufsbildung als Weg zur Integration von Lernschwächeren oder benachteiligten Jugendlichen in den Arbeitsmarkt. Dadurch stellen sich Fragen der Übertragbarkeit des Schweizer Systems auf andere Länder
  • Sicherung der Qualität des Berufsbildungssystems als entscheidender Faktor für den Ruf dieses Ausbildungswegs und dessen Anerkennung in der Gesellschaft.
  • Bewahrung und Stärkung von bisherigen Vorteilen der dualen Berufsbildung wie die Arbeitsmarktnähe und die rasche Anpassbarkeit an sich wandelnde Kompetenzanforderungen
Megatrend Migration

Die gesellschaftliche nationale und internationale Diskussion hat sich von den Herausforderungen durch grosse Ströme neu eintreffender Flüchtlinge auf deren mittel- und längerfristige Integration verlagert. Für den Megatrend Migration zeigte das Trendmonitoring folgende Themen und Herausforderungen für die Berufsbildung auf:

  • Anerkennung ausländischer Abschlüsse.
  • Mehrsprachigkeit als Ressource zur Integration.
  • Förderung der Resilienz von immigrierten Jugendlichen.
  • Chancenungleichheit für Kinder aus Ländern ausserhalb der EU.
  • Chancengerechtigkeit von weiblichen Migrantinnen im Arbeitsmarkt.
  • Notwendigkeit von regionalen Unterstützungsstrukturen.
  • Sprachliche, kulturelle und psychosoziale Kompetenzen in der Bildungsarbeit mit Migrantinnen und Migranten.
  • Berufsorientierung und berufliche Integration von jugendlichen Asylbewerberinnen und Asylbewerbern.

Projektteam