Open Research Data – Wie können Daten sinnvoll wiederverwendet werden?

Open Science und Open Data sind Paradigmen eines modernen Wissenschaftsverständnisses. Dafür müssen Forschungsdaten auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar sein. Doch wie sinnvoll ist die Wiederverwendung von Daten? In einem Workshop an der EHB gingen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dieser Frage gemeinsam auf den Grund.

ORD Worskhop_Sabine Beckmann
Dr. Sabine Beckmann weiss, dass qualitativ erhobenes Datenmaterial «verborgene Schätze» bergen kann
EHB

Forschende aus dem Bereich der Sozialwissenschaften sind es gewohnt, Analysen durchzuführen mit bereits vorhandenen Datensätzen, etwa aus den Bereichen Bildung und Arbeitsmarkt. Die Verknüpfung von grossen Datenmengen ist dabei methodisch anspruchsvoll, ermöglicht aber die Bearbeitung einer Vielzahl von Forschungsfragen. Mit selbst erhobenem Datenmaterial wären manche Themen nicht zu analysieren, wie Prof. Dr. Jürg Schweri von der EHB in seiner Keynote anschaulich darlegte. 

Was mit grossen Datensätzen, etwa aus dem Bundesamt für Statistik, noch einleuchtet, ist mit qualitativ erhobenem Datenmaterial, zum Beispiel aus Interviewstudien, weitaus weniger offensichtlich. Dass aber auch in diesem Forschungsbereich «verborgene Schätze» gehoben werden können, weiss Dr. Sabine Beckmann aus Bremen. In ihrer Keynote kommt sie zum Schluss, dass solche Studien Erzählungen generieren, die über das Erkenntnisinteresse der Primärforscher:innen hinausgehen. Einig waren sich beide Vortragende, dass Sekundäranalysen sinnvoll sind, aber nicht geeignet, um Zeit oder Geld bei der Forschung einzusparen.

Es kommt auf die Perspektive an

Während sich Forschende beim Thema Wiederverwendbarkeit von Daten fragen, welche neuen Erkenntnisse aus bereits vorhandenem Forschungsmaterial gewonnen werden können, beschäftigen sich Bibliotheken und Betreiber:innen von Datenrepositorien damit, wie diese Daten zur Verfügung gestellt werden können. Dienstleistende wollen Forschenden einen optimalen Service zur Verfügung stellen, damit sie geeignete Daten für ihre Forschungsfragen finden. Um Forschende von der Idee der Sekundärdatenanalyse zu überzeugen, spielt das Vertrauen in die Datenquelle und die Datenaufbereitung eine entscheidende Rolle. So das Ergebnis einer Studie, welche im Rahmen eines von vier Vertiefungsworkshops am Nachmittag der Veranstaltung präsentiert wurde.

Pädagogische Hochschulen spannen zusammen

Die EHB ist zusammen mit den Pädagogischen Hochschulen St. Gallen und Thurgau und der interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Teil eines Netzwerks, das zum Ziel hat, Data Stewardship an kleinen und mittelgrossen Pädagogischen Hochschulen einzuführen. Damit sollen Forschende an ihren Institutionen organisationsinterne Unterstützung beim Management ihrer Forschungsdaten erhalten. Das Projekt ist Teil der nationalen Open Science Initiative und wird von swissuniversities finanziert.