Projekt

Berufskarrieren Pflege: Längsschnittstudie bei Fachpersonen Gesundheit und diplomierten Pflegefachpersonen nach dem Berufseinstieg

Der prognostizierte Fachkräftemangel beim Gesundheitspersonal gefährdet die zukünftige gesundheitliche und pflegerische Versorgung in der Schweiz. Damit wirksame Massnahmen gegen den Personalmangel entwickelt und umgesetzt werden können, sind auch Kenntnisse zu den Berufskarrieren der Pflegenden notwendig.

ZHAW Departement Gesundheit / John Canciani

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW und die Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung EHB untersuchten seit dem Jahr 2010 die Laufbahnpläne und Berufs- und Bildungswege von Studierenden Pflege an Höheren Fachschulen, Fachhochschulen sowie von angehenden Fachfrauen und Fachmännern Gesundheit. Auf Basis dieser Daten wurden Einflussfaktoren auf die Berufswege und den Verbleib im Beruf untersucht. Nun wurden die Daten vergleichend ausgewertet, um typische Laufbahnmuster im Pflegebereich zu identifizieren.

Das Projekt ist Teil einer Kooperation der Hochschulen Gesundheit in der Schweiz zur Entwicklung eines Kompetenzzentrums für den Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen (CNHW). Verschiedene Standortprojekte erarbeiten dazu Grundlagenwissen und Massnahmen. Im sechsteiligen Standortprojekt des ZHAW-Departements Gesundheit «Fachkräftemangel erforschen: Berufskarrieren und Berufsverweildauer Gesundheitsberufe» wird die Datengrundlage verbessert und Massnahmen für den längeren Verbleib in den Gesundheitsberufen entwickelt.

Methode

Ziel ist die Entwicklung einer Datengrundlage zu den Gesundheitsberufen, welche für die Forschung und Planung im Gesundheitswesen genutzt werden kann und auf deren Basis vergleichende Erkenntnisse zum Berufseinstieg und anschliessenden Verbleib von den Pflegeberufen auf Sekundarstufe II und auf Tertiärstufe gewonnen werden.

Hierfür erfolgten folgende Aktivitäten:

Aus der Analyse von verschiedenen Einflussfaktoren auf die Berufskarrieren können Schlussfolgerungen zu möglichen Massnahmen für die Förderung des Berufsverbleibs abgeleitet werden.

Ergebnisse

Die vergleichenden Auswertungen der Berufslaufbahnen von diplomierten Pflegefachpersonen und Fachfrauen und Fachmännern Gesundheit (FaGe) untersuchen die Mobilität zwischen Arbeitsfeldern (z.B. zwischen Spitälern und Pflegeheimen) und Ausbildungsstufen sowie die Rolle der Vorerfahrung als FaGe beim Berufseinstieg als diplomierte Pflegefachfrau oder Pflegefachmann. Sie zeigen gewisse Muster: Insgesamt wechselt in den ersten Jahren nach dem Erstabschluss mehr Fachpersonal in den Akutbereich als in andere Bereiche, während der Langzeitbereich Fachpersonal in den ersten Jahren nach der Ausbildung verliert. Die Mobilität zwischen den Bereichen unterschiedet sich zwischen FaGe und diplomierten Pflegefachpersonen. Während diplomierte Pflegefachpersonen, insbesondere jene mit Vorbildung als FaGe, überwiegend aus dem Langzeitbereich oder der Spitex in den Akutbereich wechseln, zieht es die im Beruf verbleibenden FaGe vermehrt in den Spitex-Bereich. Anhand dieser Erkenntnisse kann empfohlen werden, den Langzeitbereich mit geeigneten Massnahmen als Lern- und Arbeitsort für diplomierte Pflegefachleute aufzuwerten und attraktiver zu gestalten. Ein Ansatz dafür wäre, Funktionen mit erweiterten Aufgaben anzubieten und gute Bedingungen für Weiterbildungen zu schaffen. Dies vor dem Hintergrund, dass Pflegefachpersonen in den ersten Berufsjahren vielfach neue Herausforderungen suchen und ihr Wissen sowie ihre Kompetenzen weiterentwickeln wollen.

Ein weiterer Ansatzpunkt, um Pflegefachpersonen im Beruf zu halten, liegt in der gezielten Unterstützung beim Berufseinstieg von Pflegenden mit wenig Vorerfahrung. Denn Resultate aus dem kombinierten Datensatz weisen darauf hin, dass diplomierte Pflegefachpersonen mit Vorerfahrung aus der Lehre als FaGe weniger unter Stress im Arbeitsalltag leiden und ein klareres Rollenverständnis haben als Pflegende, die direkt vom Gymnasium oder von der Fachmittelschule kommen. Die Unterstützung beim Einstieg kann beispielsweise mit Mentoring-Programmen erfolgen.

Den ausführlichen Bericht des Gesamtprojekts, welcher auch auf Gründe für oder gegen einen Verbleib im Pflegeberuf eingeht, finden Sie hier. Viele der genannten Gründe gelten auch für Fachfrauen und Fachmänner Gesundheit, wie dem Trendbericht «Fachfrau/Fachmann Gesundheit - Traumjob oder Zwischenstopp» zu entnehmen ist (Link zum Bericht).

Präsentationen