Projekt

Digitalisierung und Weitergabe klinischer Informationen in der Pflege: Implikationen und Perspektiven (Digi-Care)

 In the Hospital, Senior Patient Lying in the Bed Talking to a Nurse who is Holding Tablet Computer Showing Him Information. In the Technologically Advanced Hospital
Das Projekt untersucht anhand eines ethnographischen Ansatzes den Einfluss von digitaler Technik auf die Pflegetätigkeiten, insbesondere auf die Weitergabe klinischer Patienteninformationen. Darauf aufbauend werden videogestützte Lernsituationen für die Aus- und Weiterbildung des Pflegepersonals und mögliche Lösungen entwickelt, mit denen aus technologischer Sicht als kritisch beurteilte Situationen entschärft werden können.

Gemäss einer Analyse von eHealth Suisse ist der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) im Gesundheitswesen unerlässlich und das Pflegepersonal zunehmend mit der Digitalisierung von Arbeitsprozessen konfrontiert. Dadurch wird sich auch die Art und Weise, wie klinische Patienteninformationen von den Pflegefachpersonen und anderen Angehörigen der Gesundheitsberufe weitergegeben werden, radikal verändern. Es ist deshalb unerlässlich, dass die Vermittlung der entsprechenden Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung, der Austausch guter Praxis und die Entwicklung wirksamer Lehr- und Lernmethoden gefördert werden.

Ziele des Projektes

Ziel des Projekts ist es, zu verstehen, wie sich der Einsatz digitaler Hilfsmittel und klinischer Informationssysteme auf die Weitergabe klinischer Patienteninformationen und auf die Wissensweitergabe in den Pflegeteams auswirkt. Anhand einer Reihe von ausgewählten typischen Situationen werden folgende Prototypen erarbeitet: a) videobasierte Lernsituationen für die Weitergabe klinischer Patienteninformationen, b) Lösungen, mit denen Situationen, die hauptsächlich aus technologischer Sicht als kritisch beurteilt werden, verbessert werden können. Die Prototypen werden mit Studienteilnehmenden und internen und externen Experten validiert. Die videogestützten Lernsituationen können auch erfolgreich bewältigte bedeutsame Situationen sein, so dass Kompetenzen und gute Praxis der Pflegenden gezeigt werden können.

Hintergrund ist, dass es bislang nur wenige Studien gibt, die sich mit kooperativen und interaktiven Arbeitsprozessen im Pflegebereich befassen, und die die täglichen Erfahrungen qualifizierter Fachpersonen als Grundlage für mögliche pädagogische und technologische Innovationen nutzen.

Abgrenzung der Forschungsarbeit

In der Studie werden weder die Qualität pflegerischer Tätigkeiten auf den Abteilungen noch die Qualität der verwendeten Technologien (digitale Hilfsmittel und klinische Informationssysteme) vergleichend evaluiert, sondern es geht einzig um die individuelle und situationsabhängige Perspektive der involvierten Pflegenden bei der Nutzung digitaler Hilfsmittel. Die Ergebnisse können jedoch für die Forschung und Entwicklung in der Medizininformatik und Erwachsenenbildung Hinweise darauf geben, wie die Benutzerfreundlichkeit digitaler Hilfsmittel und Programme und ihr Erlernen in den verschiedenen Abteilungen verbessert werden könnte.

Methode

Die Forschungsarbeit umfasst vier Phasen.

In der ersten Phase führen wir in sechs Spitalabteilungen (Bettenstationen der allgemeinen Pflege, der Akutversorgung oder Rehabilitation) in der italienischen Schweiz (n = 2) und in der Deutschschweiz (n = 4) eine ethnografische Studie durch, um Situationen zu identifizieren, in denen klinische Patienteninformationen weitergegeben werden, und die von den Studienteilnehmenden als bedeutsam wahrgenommen werden.

In der zweiten Phase werden wir eine Reihe typischer bedeutsamer Situationen auswählen und validieren und dabei eng mit den Studienteilnehmenden und den internen und externen Experten zusammenarbeiten.

In der dritten Phase werden wir anhand der ausgewählten Situationen zwei Arten von Prototypen entwickeln: a) Prototypen videogestützter Multimedia-Lernsituationen, die in Berufsfachschulen und am Arbeitsplatz für die Aus- und Weiterbildung eingesetzt werden können und b) Prototypen von Lösungen, mit denen die aus technologischer Sicht als kritisch beurteilten Situationen entschärft werden können.

In der vierten Phase werden wir die entwickelten Prototypen (Lernsituationen und technologische Lösungen) gemeinsam mit den Studienteilnehmenden und mit internen und externen Experten validieren und die Ergebnisse verbreiten.

Wir verfolgen einen ethnografischen Ansatz mit gezielten Beobachtungen der Tätigkeiten mittels Job Shadowing und Autokonfrontationsinterviews. Die Datenanalyse und -bearbeitung erfolgt nach semiologischen Grundsätzen und hat zum Ziel, die subjektive Bedeutung der Situationen zu identifizieren. Bei der Entwicklung der Multimedia-Prototypen verfolgen wir Forschungs- und Entwicklungsansätze der Medienpädagogik.