28.08.2018: Abschlussbericht Forschungsprojekt

Öffentliche Einstellungen gegenüber der Rolle des Staates und die private Bereitstellung von Bildungsangeboten: Empirische Evidenz aus dem Kontext des Schweizerischen Berufsbildungssystems

Existierende Studien haben gezeigt, dass ein Grossteil der Schweizer Ausbildungsbetriebe vor den hohen Nettokosten, die die Ausbildung von Lernenden verursacht, nicht zurückschreckt (die Studien zeigen allerdings auch, dass sich die Ausbildung von Lernenden in der Regel schon nach kurzer Zeit auszahlt). Eine Erklärung dafür könnte sein, dass sich die Unternehmen den Normen und Erwartungen des lokalen Arbeitsmarktes beugen, in dem sie sich bewegen. In der in diesem Gesuch beschriebenen Forschung gehen wir der Frage nach, ob eine stark ausgeprägte Norm hinsichtlich der privaten (statt öffentlichen) Bereitstellung von öffentlichen Gütern einen Einfluss auf die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe hat.

Für unsere empirische Untersuchung stützen wir uns auf Daten von drei Querschnittserhebungen zum kurzfristigen Kosten-Nutzen-Verhältnis für ausbildende Betriebe in der Schweiz. Die lokale Norm bezüglich der privaten bzw. öffentlichen Bereitstellung und Finanzierung von beruflicher Grundbildung messen wir anhand der Ergebnisse aus zwei nationalen Abstimmungen zur entsprechenden Thematik. Die Ergebnisse zu den beiden Abstimmungen liegen auf Gemeindeebene vor und bringen eine unterschiedliche Haltung gegenüber der privaten Bereitstellung von öffentlichen Gütern zum Ausdruck. Wir werden zudem zusätzliche Datenquellen (z.B. aus der Schweizer Volkszählung) und  spezifische ökonometrische Methoden nutzen, um alternative, beobachtete als auch nicht beobachtete Erklärungsfaktoren zu kontrollieren. Wir werden schliesslich auf Instrumentalvariablen zurückgreifen, um das Problem der umgekehrten Kausalität anzugehen.

Unsere Hypothese lautet, dass unter vergleichbaren Umständen die Ausbildungsintensität und -bereitschaft der privatwirtschaftlichen Betriebe in Regionen höher ist, in denen die Norm stärker ausgeprägt ist, dass die Bereitstellung der Berufsbildung durch private Anbieter erfolgen soll. Weiter gehen wir davon aus, dass in denselben Regionen auch die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass Lehrlingsausbildungen mit Netto-Ausbildungskosten angeboten werden. Ferner stellen wir die Hypothese auf, dass die Stärke des Einflusses von gesellschaftlichen Normen von den Eigenschaften der Unternehmen (z.B. Betriebsgrösse) und/oder des Standorts (z.B. Grösse der Ortschaft) abhängt; dies bietet uns die Möglichkeit, zusätzliche Hypothesen zu testen und die Plausibilität unserer wichtigsten Hypothesen zu prüfen.

Unseres Wissens handelt es sich um die erste empirische Untersuchung zum Einfluss von gesellschaftlichen Normen auf das Ausbildungsverhalten von Unternehmen. Unsere Ergebnisse werden die in der Berufsbildungsforschung bereits vorhandenen Erkenntnisse über die massgeblichen Faktoren für das Ausbildungsverhalten der Betriebe ergänzen. Sie beleuchten die Rolle von gesellschaftlichen oder kulturellen Normen bei der Bereitstellung von Lehrstellen und liefern damit auch Erkenntnisse im Hinblick auf die Übertragbarkeit von Teilen des Schweizer Berufsbildungssystems auf andere Länder.

Projektstatus: 
Abgeschlossen
Datum: 
1.9.2016 bis 28.2.2018
Projektleitung: 
Partner/-innen: 
  • Forschungsstelle für Bildungsökonomie, Universität Bern / Centre for Research in Economics of Education, University of Bern
  • Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI / Secrétariat d’Etat à la formation, à la recherche et à l’innovation SEFRI / Segreteria di Stato per la formazione, la ricerca e l’innovazione SEFRI / State Secretariat for Education, Research and Innovation SERI