Projekt

Soziale Regulation beim gemeinsamen Lernen mithilfe von technologiegestützten Unterrichtsszenarien. Lehren aus Untersuchungen in Angeboten der beruflichen Grundbildung

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Die Dissertation zeigt das Potenzial von technologischen Tools und webgestützten Lernumgebungen bei der Steuerung von Lernprozessen auf. Dieses Potenzial lässt sich in konkrete, positive Interventionen umwandeln, wenn die erwähnten Tools und Lernumgebungen in Unterrichtsszenarien mit einer sozialen Komponente eingebunden werden. Dieser Prozess findet etwa in der dualen beruflichen Grundbildung statt, wo die Lernenden zwischen Arbeitsplatz und Berufsfachschule hin- und herwechseln. Mehrere Lernorte können sowohl ein Problem sein als auch Chancen eröffnen. Einerseits bedeutet die Aufsplittung der Orte, an denen Wissen vermittelt wird, dass das Lernen aus dem Wechselspiel zwischen verschiedenen Kontexten entsteht (Gurtner et al. 2001, Horn et al., 2008). Andererseits müssen Lernende Informationen und Erfahrungen, die in verschiedenen Umgebungen vermittelt und erworben wurden, in einen kohärenten Wissenskorpus umwandeln, was nicht allen Lernenden leicht fällt.

Der Mehrwert der pädagogischen Szenarien, in die die webgestützten Lernumgebungen eingebunden sind, besteht in der sozialen Perspektive. Webgestützte Lernumgebungen bieten vielerlei Möglichkeiten, umso mehr, wenn sie in Kombination mit geeigneten Unterrichtsmethoden und -szenarien eingesetzt werden. So können etwa mithilfe digitaler Tools wichtige Arbeitsabläufe im Unterricht ausgetauscht und veranschaulicht werden. Der Einsatz von Videos/Bildmaterial/schriftlichen Beschreibungen von Arbeitsabläufen bietet den Lernenden die Möglichkeit, ungewohnte Instrumente oder Werkzeuge kennen und schätzen zu lernen, die ihnen im Lehrbetrieb nicht zur Verfügung stehen. Ebenso werden sie mit Erfahrungen aus anderen Arbeitsumgebungen konfrontiert. Dank dieser sozialen Komponente dürfte es ihnen besser gelingen, den vorerwähnten Wissenskorpus zu erarbeiten.

Betreuer Dissertation:

Methode

Welche Technologie auch immer zum Einsatz kommt, eine wichtige Grundvoraussetzung muss vorgängig erfüllt sein: Sie muss, damit sie auf die Akzeptanz der Lernenden stösst, bedienerfreundlich und zweckdienlich sein (Motta et al., 2014). Mittels Fragebogen wurden mobile Geräte, mobile Lernumgebungen sowie webgestützte Lernumgebungen in verschiedenen Berufen (Koch, Konditorin und Automechaniker) auf diese Kriterien hin untersucht.

In einem zweiten Schritt machten die Lernenden (in diesem Fall angehende Automechaniker, Köchinnen und Kaufleute, siehe Motta, Boldrini und Cattaneo, 2013) Erfahrungen mit nicht webgestützten Lernumgebungen (interaktive Videos) sowie mit webgestützten Lernumgebungen (ELGG und mobile Online-Lernjournale). Die webgestützten Lernumgebungen, die die Lernenden bei der Reflexion ihrer am Arbeitsplatz gemachten und festgehaltenen Erfahrungen unterstützen sollten, wurden schrittweise eingeführt und von den Lernenden genutzt. Abschliessend wurden Unterrichtsszenarien erarbeitet und in den Berufen umgesetzt (siehe Einleitung § 5 und teilweise auch das Buchkapitel zu den Kaufleuten). Die Besonderheiten des Schweizer Berufsbildungssystems gaben entscheidende Anstösse für das Design der Lernaktivitäten: Die am Arbeitsplatz gesammelten Erfahrungen sind Themen, die in der Berufsfachschule diskutiert und reflektiert werden müssen. Die erarbeiteten Unterrichtsszenarien sollten Folgendes begünstigen: (1) den Einsatz von Bildmaterial/Videos/Material, das am Arbeitsplatz zusammengetragen wurde; (2) die individuelle, strukturgeleitete und durch metakognitive Prompts unterstützte Reflexion und (3) das Austauschen und Diskutieren beruflicher Erfahrungen durch Kombination verschiedener Diskussionsarten. Durch die Einbindung webgestützter Lernumgebungen in Form von mobilen Online-Lernjournalen in die Unterrichtsszenarien wird überdies die individuelle Reflexion gefördert, die wiederum die Grundlage für weitere Lernaktivitäten in Kleingruppen oder mit der ganzen Klasse bildet.

Eine Analyse sollte klären, wie sich solche Lernumgebungen auswirken. Von besonderem Interesse waren dabei folgende Punkte: (1) Lernergebnisse in Bezug auf die Qualität der verfassten Texte und das deklarative Wissen (d. h. Lerntests bei den angehenden Köchinnen und Automechanikern; siehe Motta, Boldrini und Cattaneo, 2013), Qualität der verfassten Texte vor und nach den Unterrichtsaktivitäten und Reflexionsfähigkeit sowie (2) Lernprozesse (d. h. Analyse von Videodaten zur Co-Regulation in Kleingruppen; siehe Motta, Cattaneo und Gurtner, 2015) mit Fokus auf die Dynamik der Co-Regulation.

Die Forschungsfragen, mit denen sich diese Dissertation befasst, werden wie folgt organisiert:

1. Akzeptanz der eingesetzten Technologie in beruflichen Lernumgebungen.

  • In welchem Umfang lassen sich mobile Technologien am Arbeitsplatz nutzen?
  • Inwiefern werden mobile Technologien als nützliche Instrumente für die Förderung der Reflexion von theoretischem Wissen und praktischen Erfahrungen wahrgenommen? Inwiefern begünstigen sie den Erwerb von beruflichem Fachwissen?

2. Nutzung für den Austausch von am Arbeitsplatz gemachten Erfahrungen:

  • In welchem Umfang haben solche Szenarien Einfluss auf die Fähigkeit der Lernenden, berufliche Abläufe zu verstehen?
  • Wie wirken sich diese Szenarien auf die Lernergebnisse aus?

3. Einsatz webgestützter Lernszenarien als metakognitive Hilfsmittel (individuell oder in der Klasse).

  • Wie wirken metakognitive Prozesse wie etwa Monitoring oder Planung auf die Co-Regulation ein (siehe Rogat und Linnenbrick-Garcia, 2011 sowie Volet, Summers und Thurman, 2009)?
  • Wie sind die so genannten Einflussfaktoren, insbesondere Wie-Fragen und Unsicherheiten bei Erklärungen (siehe Volet, Summers und Thurman, 2009), mit der Co-Regulation verknüpft? In welchem Umfang wirkt sich die Qualität der Interventionen auf die kognitive Regulation in einer Gruppe aus?
Projektstatus: 
Abgeschlossen
Datum: 
1.10.2010 bis 31.5.2015
Weitere/ehemalige Mitarbeitende: 

Elisa Motta