Ja, oui, sì, yes: Fremdsprachen in der beruflichen Grundbildung

Fremdsprachenkompetenzen sind eine bedeutende persönliche und berufliche Ressource und gewinnen auf dem Arbeitsmarkt an Bedeutung. Immer mehr Trägerschaften entscheiden sich deshalb, eine oder mehrere Fremdsprachen in ihre Ausbildungen zu integrieren. Vor diesem Hintergrund hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) mit der EHB eine Orientierungshilfe für die Integration von Fremdsprachen in die berufliche Grundbildung entwickelt. Sie zeigt auf, welche organisatorischen und didaktischen Ressourcen dafür an den verschiedenen Lernorten nötig sind.

Illustration mit einer Zielscheibe in de Mitte, einem Fahrrad darüber, einer Strassenabzweigung rechts und zwei Abzeichen auf der rechten Seite
EHB/Captns

Von Kathrin Jonas Lambert  und  Patricia Notter

Der Detailhandelsangestellte realisiert, dass seine Kun­din nur Englisch versteht. Auch in der Spitalpflege sind Angestellte immer wieder in der Situation, dass Patien­tinnen und Patienten nur Fremdsprachen sprechen. Ist es in einem Beruf wichtig, in verschiedenen Sprachen kommunizieren, lesen oder recherchieren zu können, bietet es sich an, Fremdsprachen in die Ausbildung zu integrieren. Dabei soll die Sprache im Rahmen der funk­tionalen Mehrsprachigkeit aufgebaut werden.

Der Begriff «funktional» beschreibt dabei die Fähig­keit, eine Sprache so anzuwenden, dass die Kommunika­tion in den konkreten Arbeitssituationen gelingt. Der An­spruch, die Fremdsprache perfekt zu beherrschen, ist nicht massgebend.

Fremdsprachenkompetenzen gehören gemäss der Eu­ropäischen Kommission für Bildung, Jugend, Sport und Kultur zu den transversalen Schlüsselkompetenzen. Sie sind wichtig für die Durchlässigkeit des Bildungssystems und können eine weiterführende Ausbildung nach der Berufslehre erleichtern. Sie sind zudem ein Vorteil für die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt und erhöhen die An­stellungschancen, wie verschiedene Studien aufzeigen.

Die folgenden Punkte sind zentral, um eine Fremd­sprache erfolgreich in eine berufliche Grundbildung zu integrieren:

1. Bedürfnisse klären

Eine Fremdsprache in die berufliche Grundbildung aufzu­nehmen, ist ein Grundsatzentscheid, der verbundpartner­schaftlich gefällt wird und sich nach den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes richtet. Die Trägerschaften können diesen Entscheid im Rahmen der Fünf-­Jahres­-Überprüfung eines Berufs diskutieren oder das Thema an Tagungen und Bran­chenanlässen aufnehmen. Ob sie sich für eine zweite Lan­dessprache oder Englisch entscheiden, hängt vom lokalen Arbeitsmarkt ab.

Illustration einer Straße die sich in drei Straßen gabelt.
EHB/Captns

2. Leistungsziele für die Lernorte definieren

Bei einigen Grundbildungen steht die Kommunikation mit Kundinnen und Kunden, beispielsweise für Beratungen, im Vordergrund, bei anderen das Textverständnis. Je nach Ar­beitssituation, in der Fremdsprachenkompetenzen erforder­lich sind, ergeben sich daraus Leistungsziele für die Lern­orte. Das setzt eine gute Lernortkoordination voraus. Damit eine Kundin im Betrieb erfolgreich beraten werden kann, müssen die Lernenden in der Berufsfachschule zum Beispiel durch Rollenspiele zur Beratung darauf vorbereitet werden.

Beispielhafte Leistungsziele für die verschiedenen Lern­orte finden sich auf Seite 22 der Orientierungshilfe «Integration von Fremdsprachen in die berufliche Bildung».

Illustration einer Zielscheibe mit 3 Pfeilen
EHB/Captns

3. Neuerungen in die Bildungserlasse integrieren und in den Zeugnissen ausweisen

Das Anforderungsniveau der Fremdsprachenkompetenz wird im Berufsbild der jeweiligen Grundbildung, in den Situations­beschreibungen und in den Leistungszielen der betroffenen Lernorte ersichtlich. Die berufsspezifischen Zeugniserläute­rungen weisen aus, wie die Fremdsprache in der beruflichen Praxis gebraucht worden ist. Auch im Schul-­ und im Lehrzeug­nis kann auf die Fremdsprachenkompetenz hingewiesen werden.

Illustration zweier Abzeichen
EHB/Captns

4. Fremdsprachenkompetenzen in der Berufsfachschule aufbauen

Die Fremdsprachen werden an der Berufsfachschule hand­lungsorientiert aufgebaut. Folgende Grobziele sind dabei rich­tungsweisend: Die Sprachkenntnisse sollen entweder auf dem Eintrittsniveau (A2 nach dem europäischen Referenz­rahmen) der Lernenden berufsspezifisch vertieft oder auf ein höheres Niveau (B1) erweitert werden. Das Ziel wird ver­bundpartnerschaftlich definiert, abgestimmt auf die Bedürf­nisse des Berufs.

Weitere Informationen:

Die Unterrichtseinheit für Floristinnen und Floristen illustriert, wie die Fremdsprache im Rahmen der Berufskenntnisse aufgebaut werden kann:

Illustration eines Hauses mit Sprechblasen
EHB/Captns

5. Fremdsprachen in der beruflichen Praxis anwenden und aufbauen

Wichtig ist, dass die Lernenden fremdsprachlich handeln können. Es braucht Gelegenheiten zum Üben, um in immer neuen Situationen das Erlernte kombiniert anzuwenden und Sicherheit zu gewinnen.

In vielen Betrieben gehören Fremdsprachen zum Alltag. Die Trägerschaften sollten jedoch die Lehrbetriebe, die wenig mit Fremdsprachen konfrontiert sind, dabei unterstützen, die Fremdsprachenkompetenzen der Lernenden aufzubauen. Hier bieten sich unter anderem folgende Massnahmen an: Ausbildungsunterlagen in der Fremdsprache, Schulungen zum Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) für den Erwerb von Fremdsprachen oder Kooperationen mit an­derssprachigen Lehrbetrieben sowie Sprach­tandems.

Weitere Informationen:

KI kann eine Unterstützung sein, so zum Beispiel der Sprachtutor Univerbal (in Englisch).

Illustration von zwei Köchen die miteinander sprechen.
EHB/Captns

6. Schulkooperationen stärken und Weiterbildungen absolvieren

Die Integration der Fremdsprachen in die Handlungskompe­tenzen erfordert eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen, die Fremdsprachen und Berufskenntnisse unterrichten. In einigen Kantonen werden Tandems von Lehr­personen gebildet, die dann gemeinsam Unterrichtsmaterial entwickeln, um so die sprachliche und fachliche Qualität zu gewährleisten. Grundsätzlich wird empfohlen, dass sich die Lehrpersonen sprachlich und didaktisch weiterbilden.

Illustration eines Tandem Fahrrads
EHB/Captns