Projekt

Abschlüsse in Pflege

Das im Auftrag von OdASanté lancierte Projekt erarbeitet mittels eines multimethodischen Zugangs und unter Einbezug verschiedener Datenquellen und Berufsgruppen eine konsolidierte Sicht auf künftige Anforderungen an eine umfassende Pflege. In einem exemplarischen Vorgehen wird aufgezeigt, wie die Weiterentwicklung aller Pflegeberufe mit Blick auf neuartige Kompetenzanforderungen erfolgen kann.

Altenpfleger hilft älterem Mann aus Rollstuhl ins Bett
Adobe Stock/Kzenon

Die Vielfalt der Abschlüsse im Berufsfeld Pflege ist hoch und im dynamischen Arbeitsfeld Gesundheit interagieren die verschiedenen Fachpersonen in einem dichten Netz von Schnittstellen. Dies macht die Berufsentwicklung zu einer ausserordentlich komplexen Aufgabe. Denn es müssen nicht nur die einzelnen Bildungserlasse aktuell gehalten und weiterentwickelt werden, sondern sie sind auch mit Blick auf die Arbeitsteilung in den interprofessionellen Teams abzustimmen. Dies erfordert ein Instrumentarium und ein koordiniertes Vorgehen, damit sowohl die einzelnen Abschlüsse als auch ihr Zusammenspiel prospektiv auf neue und veränderte Anforderungen im Arbeitsmarkt abgestimmt werden können.

Hier setzt das Projekt «Abschlüsse in Pflege» an. OdASanté hat die EHB beauftragt, Instrumente und Methoden zu erarbeiten, um heutige und zukünftige Kompetenzen der verschiedenen Abschlüsse im Berufsfeld Pflege koordiniert weiterentwickeln zu können.

Ziele sind:

  1. Trends eruieren: Veränderte oder neue Anforderungen an eine umfassende Pflege aufgrund von wichtigen (evidenzbasierten) Einflussfaktoren ermitteln (Arbeitshypothese für das Projekt).
  2. Eine Systematik für berufliche Kompetenzen entwickeln, die nicht an die sehr unterschiedlich ausgestalteten Bildungserlasse im Berufsfeld Pflege gebunden ist.
  3. Ist-Soll-Abgleich auf Berufsebene: Die Stimmigkeit der beruflichen Kompetenzen ausgewählter Abschlüsse im Berufsfeld Pflege mit den ermittelten veränderten und neuen Anforderungen an die Pflege prüfen.
  4. Ist-Soll-Abgleich auf Berufsfeldebene: Die Kohärenz der einzelnen Abschlüsse/Bildungserlasse in Bezug auf Schnittstellen, Durchlässigkeit und Aufbau prüfen.
  5. Wissensmanagement: Das erworbene Wissen und die entwickelten Modelle, Begriffsinventare, Instrumente und Methoden sichern und valorisieren, d.h. ihre Implementation, Weiterwicklung und ihren Transfer anlegen.

Die Zielsetzungen werden am Beispiel ausgewählter Abschlüsse aller Stufen anvisiert. Ausgewählt wurden folgende Berufe: Assistent/in Gesundheit und Soziales Pflege EBA; Fachfrau/mann Gesundheit EFZ; Fachfrau/mann Langzeitpflege FA; Diplomierte/r Pflegefachfrau/mann HF; BSc in Pflege FH; Fachexpertin/Fachexperte Palliative Care HFP; Fachexpertin/Fachexperte in geriatrischer und psychogeriatrischer Pflege HFP. Abschlüsse auf Masterstufe wie Advanced Practice Nurse (APN) werden in die Analysen einbezogen.

Wenn von Kompetenzen die Rede ist, sind Handlungskompetenzen im berufspädagogischen Sinn gemeint: die Befähigung einen Beruf auszuüben. Rechtliche Fragen der Kompetenzausübung in der Praxis, welche sich z.B. in Pflichtenheften ausdrücken, sind nicht Gegenstand dieses Projektes.

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Methode

Folgende vier Fragestellungen leiten durch das Projekt:  

  1. Welche Anforderungen stellen sich künftig an Berufe im Berufsfeld Pflege, insbesondere aufgrund von Veränderungen der Versorgungsstrukturen, der Steuerungs- und Finanzierungssysteme sowie sozialer-gesellschaftlicher und technologischer Entwicklungen im Gesundheitswesen?
  2. Wie gut stimmen die beruflichen Kompetenzen der Abschlüsse im Berufsfeld Pflege mit den heutigen und zukünftigen Anforderungen überein? Welche Hinweise auf Reformbedarf der Abschlüsse zeigen sich?
  3. Wie gut stimmen die beruflichen Kompetenzen der Abschlüsse im Berufsfeld Pflege untereinander überein, um die künftigen Anforderungen an die Pflege zu erreichen? Welche Hinweise auf Reformbedarf der Abschlüsse zeigen sich mit Blick auf die Anforderungen an Schnittstellen und Durchlässigkeit zwischen den Abschlüssen?
  4. Mit welchen Methoden und Instrumenten kann ein umfassendes und konsolidiertes Bild von den künftigen Abschlüssen im Berufsfeld Pflege entwickelt und koordiniert in die Berufsentwicklung implementiert werden? Wie sind dabei sprachregionale Besonderheiten und die Übertragbarkeit des Vorgehens auf andere Gesundheitsberufe oder andere Berufsfelder einzubeziehen?

Das Vorgehen wird am Beispiel ausgewählter Abschlüsse im Berufsfeld Pflege entwickelt, die alle Stufen der Bildungssystematik abdecken.

Das Projekt wird in vier Etappen geführt.

Meilenstein 1 (August 2020 – September 2021)

Meilenstein 1 enthält die Erarbeitung der konzeptionellen und inhaltlichen Grundlagen: Dies sind erstens Hypothesen zu relevanten Entwicklungen/Trends für Anforderungen an die künftigen Abschlüsse im Berufsfeld Pflege, basierend auf wissenschaftlicher Evidenz, Anforderungen des Kontextes, Präferenzen von Pflegebedürftigen/KlientInnen sowie auf Wissen und Erfahrungen von Fachpersonen (vgl. Behrens & Langer, 2010). Zweitens wird im ersten Meilenstein eine berufsübergreifende Systematik Pflege zur Beschreibung aktueller und künftiger Kompetenzanforderungen entwickelt, die eine vergleichbare Darstellung der heutigen und zukünftigen Kompetenzen der verschiedenen Ausbildungen im Berufsfeld Pflege unabhängig von der Struktur der Bildungserlasse erlaubt.

Im August 2020 startete das EHB mit dem Teilprojekt 1, das zum Ziel hat, Hypothesen zu relevanten Trends für die Pflege und Instrumente für eine berufsübergreifende Analyse zu erarbeiten. Mittels systematischer Recherchen in der wissenschaftlichen und praxisorientierten, nationalen und internationalen Fachliteratur werden in mehreren Zyklen neue Anforderungen an Berufe im Berufsfeld Pflege identifiziert und Instrumente zur berufsübergreifenden Beschreibung der benötigten Kompetenzen erarbeitet. Die Recherchen bauen auf dem Trendmonitoring des Observatoriums für Berufsbildung auf und werden in Kooperation mit dem Institut für Pflegewissenschaft der Universität Basel durchgeführt. Die Ergebnisse werden anschliessend in zwei Runden mit Expertenbefragungen und Fokusgruppen aller Qualifikationsstufen und Sprachregionen sowie interdisziplinärer Fachpersonen des Gesundheitswesens validiert, gewichtet und weiterentwickelt. Damit stehen Instrumente und ein Orientierungsrahmen für die nächsten Projektetappen zur Verfügung, in denen Arbeitshypothesen zu neuen Kompetenzanforderungen im Berufsfeld auf die verschiedenen Abschlüsse im Berufsfeld Pflege übertragen und diskutiert werden. Das Vorgehen schafft auch eine gemeinsame Basis für das Verständnis der verschiedenen Ebenen und Dimensionen von Kompetenzbeschreibungen für Berufe im Berufsfeld Pflege, um die Berufsentwicklung der Abschlüsse künftig besser koordinieren zu können.

Meilenstein 2 (November 2021 – März 2022)

Meilenstein 2 enthält eine Analyse der aktuellen und künftigen Anforderungen in Relation zu den Kompetenzen der aktuellen Berufsabschlüsse. Dies erfolgt in Workshops mit erfahrenen Fachpersonen. Wir orientieren uns hier sowie im Meilenstein 3 konzeptionell an den Grundgedanken der «Experten-Facharbeiter-Workshops» (Rauner & Kleiner, 2004). Der Schwerpunkt liegt im Meilenstein 2 auf der Kohärenz innerhalb der einzelnen Abschlüsse. Die Relation zum Berufsfeld bei Schnittstellen zu anderen Abschlüssen kann aber bereits mitbearbeitet werden. Diese Resultate werden in einem Konsensverfahren validiert.

Meilenstein 3 (April 2022 – Juni 2022)

Meilenstein 3 enthält eine zweite Analyse der validierten aktuellen und künftigen Anforderungen an Fachpersonen im Berufsfeld Pflege mit Schwerpunkt auf Schnittstellen zwischen den Berufen bei der interprofessionellen Kooperation oder auf Anforderungen an die Durchlässigkeit im Bildungssystem. Es werden nochmals «Experten-Facharbeiter-Workshops» durchgeführt. Um auf einen Konsens hinzuwirken, wird wiederum ein partizipatives Konsensverfahren in der Gruppe angewendet.

Meilenstein 4 (August 2022 – Mai 2023)

Meilenstein 4 enthält Arbeiten, die dem Wissenstransfer und Wissensmanagement, insbesondere der Berichterstattung und Dokumentation dienen. Das gesamte Vorgehen, die Resultate und Methoden werden dauerhaft dokumentiert und zugänglich gemacht, ebenso die verwendeten Instrumente und Modelle. Der Schlussbericht enthält Hinweise zum Reformbedarf der Berufe sowie Empfehlungen zur Implementation der Projektinstrumente und -resultate im Berufsentwicklungsprozess der OdASanté. Wir formulieren ausserdem Hinweise zur Anwendung der Methode in der Berufsentwicklung anderer Berufe und Berufsfelder. Der Gesamtprozess wird kritisch reflektiert. Präsentationen für Arbeitsgruppen und Gremien der Auftraggeberin werden erarbeitet und nach Vereinbarung gehalten.

Umsetzung der Erkenntnisse (Sommer 2023)

Die Projektleitung der EHB arbeitet eng mit der Projektleitung von OdASanté zusammen, um die aus dem Projekt resultierenden Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der jeweiligen Bildungserlasse von den bestehenden Kommissionen bzw. den Fachhochschulen verarbeiten zu können. Die Plattform «Abschlüsse Pflege» ist Begleitgruppe des Projekts.

Ergebnisse

Das Schweizerische Observatorium für die Berufsbildung OBS EHB hat zusammen mit internen und externen Partnern im Auftrag von OdASanté einen Schlussbericht zum Projekt erarbeitet. Der Bericht beschreibt die Erkenntnisse aus den verschiedenen Projektphasen für die künftige (Weiter-) Entwicklung von Abschlüssen der Pflege. Er enthält namentlich folgende Anregungen:

  • Versorgungsbereichsübergreifende Kompetenzen an allen Lernorten und in allen Pflegeabschlüssen ausbilden;
  • Interprofessionelle Zusammenarbeit und Aufgabenteilung der verschiedenen Pflegeabschlüsse an allen Lernorten abgestimmt ausbilden;
  • Festgestellte Dissonanzen zwischen Ausbildungsbefähigung und tatsächlichen Aufgaben auf mehreren Ebenen analysieren und angehen;
  • Durchlässigkeit innerhalb der Höheren Berufsbildung sowie zwischen der Höheren Berufsbildung und der Fachhochschulbildung prüfen und verbessern.

«Abschlüsse in Pflege» - Schlussfolgerungen und Implikationen für die Akteure der Berufsentwicklung
«Abschlüsse in Pflege» - Trendszenarien
«Abschlüsse in Pflege» - Methodenbericht
«Abschlüsse in Pflege» - Dokumentation Schnittstellen

Publikationen
Transfer in die Praxis