Der gar nicht so entscheidende Entscheid

Gymnasium oder Berufslehre? Für Jugendliche und ihre Eltern ist es nicht leicht, hier einen Entscheid zu fällen. Doch eine neue Studie unserer Forschenden zeigt: Der Entscheid ist letztlich gar nicht so entscheidend. Beide Wege bieten gute Chancen für eine sehr erfolgreiche berufliche Laufbahn. Das ist eine wesentliche Stärke unseres Bildungssystems.

Dr. Barbara Fontanellaz
EHB, Ben Zurbriggen

Da ist einerseits die Maturandin, die an der Universität studiert, ihren Abschluss macht und dann ins Berufsleben einsteigt – wobei der Einstieg je nach Studienfach nicht immer einfach ist. Gelingt er, holt sich die junge Frau mehr und mehr Berufserfahrung. Auch der Hochschulabschluss ist ihr dabei eine Hilfe, wenn es um ihre weitere berufliche Entwicklung geht.

Da ist andererseits der Lernende, der eine Berufslehre macht, unter Umständen direkt kombiniert mit der Berufsmatura. Vielleicht absolviert der junge Mann auch erst danach noch die Berufsmatura oder eine Fachmatura, schliesst eine höhere Berufsbildung ab oder besucht eine Fachhochschule. Oder er entscheidet sich gar für die Passerelle und ein Studium an der Universität.

Die beiden Beispiele zeigen: Auch wer sich mit 15 Jahren für eine Berufslehre entscheidet, hält sich heutzutage sämtliche Optionen bis hin zu einem Hochschulabschluss offen. Die Lehre ist längst zum Sprungbrett geworden, die viele weitere berufliche Schritte ermöglicht. Diese echte Durchlässigkeit ist eine grosse Stärke unseres Bildungssystems. Das ist sehr wertvoll für die Arbeitnehmenden und für unsere Wirtschaft.

Wer sich für den Berufsbildungsweg entscheidet, profitiert dabei von der Praxisnähe der Ausbildung und hat erfreuliche Perspektiven, wie unsere Forschenden in ihrer neuen Studie «Der Wert von Ausbildungen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt» für das SECO aufzeigen. Absolviert jemand nach der Lehre weitere Ausbildungen, werden diese Perspektiven umso besser. Wer einen Tertiärabschluss in der Tasche hat, erreicht schliesslich auch lohnmässig ein sehr ähnliches Niveau wie jene, die den Weg über das Gymnasium gewählt haben.

Der Weg kann auch von einer Optikerlehre bis zum Preis für die hervorragende Doktorarbeit führen, wie im Fall von Patric Raemy, der an der EHB nun über neue Lernkulturen am Arbeitsplatz forscht, womit sich der Kreis schliesst.

Wir bedanken uns bei Ihnen ganz herzlich für Ihr Interesse an der EHB in diesem Jahr und freuen uns, Ihnen in unserem bevorstehenden Jubiläumsjahr an der EHB begegnen zu können.

Ich wünsche Ihnen frohe Festtage und alles Gute für 2022.

Dr. Barbara Fontanellaz 
Direktorin EHB