Projekt

Berufsmaturität – Bildungsverläufe, Herausforderungen und Potenziale

Um den Bedarf an Arbeitskräften mit Tertiärabschluss sicherzustellen und die Attraktivität der Berufsbildung zu erhalten, soll die Berufsmaturität (BM) weiter gestärkt werden. Im vierten Trendbericht untersuchten wir, welche Faktoren das erfolgreiche Absolvieren einer BM und den anschliessenden Übertritt in die Tertiärstufe begünstigen oder hemmen.

Junge Leute sitzen vor Schulgebäude
Adobe Stock / Prostock-studio

Ziel des Projektes war es, aktuelle Herausforderungen und Potenziale der BM zu eruieren und Akteuren der Berufsbildung, Verbundpartnern und interessierten Fachpersonen zur Verfügung zu stellen. Ein besonderes Augenmerk lag dabei erstmals auf der Rolle des EFZ-Berufs für den Zugang zur BM sowie deren Verwertung an den Hochschulen. Darüber hinaus präsentierten wir neue Erkenntnisse aus der Kosten-Nutzen-Studie, welche die Sicht der Betriebe auf die BM darstellt, widmeten uns kantonalen Unterschieden in den (Berufs)maturitätsquoten sowie aktuellen Flexibilisierungsmassnahmen zur Stärkung der BM.

Methode

Im vierten Trendbericht analysierten wir in fünf Kapiteln aktuelle Entwicklungen und Herausforderung für die Berufsmaturität.

  • Anhand der Längsschnittdaten der modernisierten Bildungsstatistik des BFS verfolgten wir die Bildungsverläufe von Jugendlichen über fünf Jahre (2012-2017) vom Abschluss der obligatorischen Schule bis zum EFZ respektive vom EFZ-Abschluss in die Hochschule. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf Unterschieden zwischen EFZ-Berufen und Kantonen. Welche Faktoren begünstigen den erfolgreichen Abschluss einer BM und den Übertritt an die Hochschulen? Wie unterscheidet sich dies in den verschiedenen Berufen und zwischen den Kantonen?
  • Auf Basis der Daten der Kosten-Nutzen-Analyse analysierten wir die Sicht der Betriebe auf die BM1. Für die Stärkung der BM1 ist die Bereitschaft der Betriebe zentral, Lernende mit BM auszubilden. Da BM-Lernende aufgrund zusätzlicher Schulstunden weniger im Betrieb anwesend sind, können sie weniger häufig produktiv eingesetzt werden. Wie schätzen Betriebe das Kosten-Nutzen-Verhältnis von BM-Lernenden im Vergleich zu Lernenden ohne BM ein? Welchen Nutzen haben Betriebe von BM-Lernenden? Wie unterscheiden sie sich von Betrieben, die keine BM-Lernenden ausbilden?
  • Angesichts stagnierender oder sinkender BM1-Abschlüsse besteht für BM-Schulen seit 2017 schweizweit die Möglichkeit, die BM1 zu flexibilisieren. Durch den verfrühten oder verspäteten Abschluss von Teilfächern sowie die Möglichkeit eines gestaffelten BM1- und Lehrbeginns soll die Belastung für Lernende gesenkt und die BM für Betriebe attraktiver werden. Wir zeigten auf, wie die Möglichkeiten zur Flexibilisierung genutzt werden und diskutierten das bisher wenig beachtete pädagogische Potenzial der Flexibilisierungsmassnahmen und anderer Ausgestaltungsmodelle der BM.

Nähere Informationen zu den Datengrundlagen sind im Methodenbericht enthalten.

Ergebnisse

Die Resultate des Trendberichts wurden an der Tagung des Observatoriums am 29.10.2020 vorgestellt sowie in der eidgenössischen Berufsmaturitätskommission (EBMK) präsentiert und diskutiert, um Potenziale für die Weiterentwicklung der Verordnung und des Rahmenlehrplans der Berufsmaturität zu identifizieren. Im Rahmen einer von der Kommission für Berufliche Grundbildung (KBG) der SBBK eingesetzten Spurgruppe hat die EHB zwei Grossgruppenworkshops durchgeführt. In diesen Workshops haben über hundert Teilnehmende aus der Berufsbildung aus der ganzen Schweiz Massnahmen zur Förderung der Berufsmaturität diskutiert und zusammenzutragen. Die KBG hat auf dieser Grundlage beschlossen, zwei Arbeitsgruppen für die Bearbeitung der Themen Selektion in die BM und Unterstützungsmassnahmen während der BM einzusetzen.

Transfer in die Praxis